Patienten helfen Patienten

Das Problem ist, dass Menschen mit Mb Parkinson meist Schwierigkeiten haben, die Differenz zwischen ihrem Leben vor der Krankheit und ihrem jetzigen Zustand zu akzeptieren (vieles geht langsamer, manches geht gar nicht mehr) sowie eigenes und fremdes Verbesserungspotential zu erkennen und zu nutzen. Anders ausgedrückt: sie lassen sich hängen und geben sich auf.

Auch ich war nach der ersten Diagnose niedergeschlagen. Die Aussagemeines damaligen Hausarztes
„…er kenne einen Patienten, der nach Medikamentenbehandlung  wieder Klavier spielen konnte!“, gab mir vage Hoffnung. Da ich Probleme schon immer als eine Herausforderung sehe, fing ich an zu handeln. Mein Ziel lautete: „ was mit der rechten Hand nicht mehr geht, muss künftig die linke tun.“
Der Anfang wurde allerdings dadurch erschwert, dass die zu Behandlungsbeginn üblichen Medikamente nicht sofort  ansprachen. Andere Maßnahmen, wie z.B. die physiotherapeutische Behandlung, wirkten sofort. Beim Bemühen mit der linken Hand zu schreiben, merkte ich aber, dass auch mit der rechten Hand durch nachhaltiges Üben meine Schrift wieder lesbarer und flüssiger wurde. Nach zwei Jahren hatte ich mein erstes Ziel erreicht. Meine rechte Hand funktionierte wieder.

Dieses „Selbstmanagement“ unterstützt und forciert die MVB mit ihrem Programm „ambulante videogestützte Parkinsontherapie“. Mit ausgezeichneten, praxisnahen Beispielen und Übungen zeigt sie dem Patienten überzeugend die Möglichkeiten auf, die er selbst hat, „sein“ Parkinson zu verbessern. Durch den  Videoeinsatz kann MVB korrigierend eingreifen und dem behandelnden Neurologen Informationen liefern, mit denen dieser z.B. den Medikamenteneinsatz rationell optimieren kann. Aufgegriffen werden u.a. die Themen:

- richtiges Atmen, Sprechen und Schlucken
- Überwindung von Gangblockaden, Freezing, Laufübungen, Sturzprophylaxe
- Recht auf mehr Zeit, Kontrollverlust beheben
- Psychologische Behandlung von Angstgefühlen

Nach 14 Jahren Parkinson und vielen, oft auch nur kleinen Therapieerfolgen entdecke ich in den Unterlagen immer wieder etwas Neues oder erhalte eine Bestätigung meines Verhaltens.
Meine persönlichen Tipps an „Willige“:

- lassen Sie sich nicht hängen! Es gibt Schlimmeres als Parkinson
- planen Sie für Ihre Arbeit mehr Zeit ein als bisher
- halten Sie sich möglichst körperlich und geistig fit: Radfahren (mit Pedelec), Gartenarbeit,
- Steuererklärung selbst erledigen, Karten spielen, PC intensiver nutzen
-  erkennen Sie Ihre Grenzen, schalten Sie rechtzeitig auf Stopp
Vergessen Sie nicht zu genießen, aber bitte in Maßen. Pflegen Sie Ihre Freundschaften.

Vielen Dank an MVB und deren Mitarbeiter (Schwester Braunhold hat sich verständnisvoll und einfühlsam um mich gekümmert) sowie an meinen Neurologen, Herrn Dr. Druschky, die mich alle mustergültig betreuten.

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