Lieber Patient, gleich beginnt Ihre Aufnahme. Bitte nehmen Sie auf Ihrer Sitzgelegenheit Platz...

Hallo zusammen. Ich habe gedacht, ich erzähle ein wenig über meine videogestützte  Parkinsontherapie.

Warum ich die überhaupt gemacht habe?? Das habe ich mich zu Beginn auch gefragt. Fakt war,  meine Wirkungsschwankungen hatten sich verstärkt. Entweder war ich total unbeweglich oder bin  als Zappelzwerg durch die Wohnung getrabt. Meine Tage waren anstrengend, weil Überbewegungen  und Rigor (Muskelsteifheit) ziemlich anstrengend sind. Aus eigenen Reihen habe ich dann den Tipp  bekommen, an einer videoüberwachten Therapie teil zu nehmen. Dr. Rzesnitzek von der MVB  (Medizinische Videoüberwachung in Koblenz), hatte ich zuvor beim Delegiertenkongress in Kassel  kennengelernt.

 Also, warum nicht? Hast ja nichts zu verlieren, dachte ich mir und habe dann in der Uni Bochum bei  Dr. Muhlack einen Termin zur Patientenvorstellung wahrgenommen. Ziemlich flott wurde bei mir die  Kamera aufgebaut und los ging es.

 War schon etwas komisch, vor der Kamera zu stehen. Aber die jeweilige Aufnahme dauerte ja nur  immer knapp 2 Minuten, mehrmals am Tag. Schlau ist, immer dann eine Aufnahme zu machen, wenn  der eigene Körper sich meldet (nämlich dann, wenn sich das Befinden irgendwie verändert).

Und man glaubt gar nicht, wie wenig man auf solche Dinge achtet. Ich konnte zu Beginn gar nicht  richtig beurteilen, in welchen Zeiträumen es gut oder schlecht läuft. Ging irgendwie alles in einander  über. Das war dann auch das erste Positive, was ich aus dieser Therapie gezogen habe:


GENAUER AUF SIGNALE DES KÖRPERS achten.

Die Veränderung der Medikation war zunächst unbefriedigend, teilweise richtig unangenehm  (Muskelschmerzen) und hat mich erst mal total frustriert. WAS FÜR EINE SCH..... Mir ging es  schlechter als vorher. Da konnte auch die nette Begrüßung: Lieber Patient... nichts daran ändern.

ABER: Ich hatte jederzeit einen Ansprechpartner (auch wenn der mir dann immer wieder sagte: sie  sind viel zu ungeduldig usw. ...) Also, DURCHHALTEN. 
Dann kamen die ersten richtig guten Tage und ich war wieder motiviert. Kurze Zeit später wieder ein  „Rückfall". Es war wie Urlaub in den Bergen: AUF UND AB UND AUF UND AB...
Schließlich war die Therapie zu Ende. Medikamente sind wegelassen worden, die Einnahmezeiten  wurden überarbeitet und nicht zuletzt bin ich sensibilisiert worden, mal ein wenig genauer  hinzuhören, wenn mein Körper Signale gibt. 

Mal Pausen gönnen, die Ernährung eiweißarm gestalten, den Stoffwechsel anregen, viel mehr  trinken, MIT DER KRANKHEIT LEBEN UND NICHT IMMER KÄMPFEN, sich eben irgendwie damit  arrangieren und so weiter...


Mir geht es jetzt besser. Danke der Nachfrage, ich habe einiges dazugelernt und JA ich würde diese  Therapie wieder machen...

Die Kamera schaltet sich jetzt aus...


Liebe Grüße


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