Die Praxis im Wohnzimmer

Parkinson-Patient Karl-Heinz Brass erhält Video-Therapie – Ständiger Kontakt zu Neurologen

Orba – at. Seit ein paar Wochen tanzt Karl-Heinz Brass aus Orba Tango, singt und summt, siegt imaginär bei einem Schwimmwettbewerb und  acht noch andere Sachen, die er in Gesellschaft anderer Menschen vielleicht nicht tun würde. Doch außer einem Spitzenteam von Neurologen ist da niemand, der ihm zuschaut. Eine Kamera leitet seine Bewegungen, sein Verhalten, seine Fragen und Probleme an dieses Team weiter. Seit ein paar Wochen geht es ihm trotz Parkinson erstaunlich gut. Und das, ohne einen einzigen Schritt in die Praxis eines Neurologen gesetzt zu haben. „Das ist fantastisch“, sagt er. „Ich möchte, dass mehr Menschen davon erfahren.“



150 Kontakte zu Neurologen
Andere Menschen zu motivieren, sich nicht von der Parkinson-Krankheit unterkriegen zu lassen, das ist Brass seit jeher ein Anliegen. Zwei Bücher hat er bereits über seine Bewältigung des Jakobswegs geschrieben. Jetzt ist es die ambulante videounterstützte Parkinsontherapie, die er Erkrankten ans Herz legen will.
Um zu zeigen wie es geht, stellt er einen Stuhl in die Mitte seines Wohnzimmers, auf den eine Kamera gerichtet ist. Er schaltet sie an, wird nach einer Bewertung seines  Gesundheitszustands gefragt und erhält Übungsanweisungen. Die rechte Ferse auf den Boden, das Knie anheben, die Faust öffnen und schließen oder mit Daumen und  Zeigefinger aneinander tippen zum Beispiel. Die nächste Aufnahme stehe um 10.30 Uhr an, wird er erinnert und schließt noch ein kleines Gymnastikprogramm an, bei dem die Kamera nicht mitläuft.

„Wenn es mir schlecht geht, egal zu welcher Tageszeit, nehme ich es auf und sie schauen es sich zeitnah an“, sagt Brass. Nach nur kurzer Zeit erhalte er Hilfe.
„Meine ganze Psyche hat sich verändert“, zieht Brass nach gut vier Wochen Bilanz. „Ich habe in dieser Zeit immer Ansprechpartner zur Seite. Man erhält den Eindruck, dass diese Menschen nur für dich da sind. Sie reagieren sofort.“

Nackenproblem gelöst
Auch den aktuellen Medikamentenplan gebe es jeden Morgen bei Bedarf mit Neuerungen. „Ich hatte große Probleme im Hals- und Nackenbereich. Die Neurologen verordneten mir ein zusätzliches Medikament, das Problem ist jetzt gelöst“, sagt Brass. „Das einzige, was mir bei der Sache nicht gefällt, ist der Name ’Videobeobachtung’“, fügt er hinzu. „Viele haben Angst, beobachtet zu werden, doch so ist es nicht. Der Patient allein entscheidet, wann er die Kamera anstellt.“ Zu den Ärzten, die Brass nach seinen Videoaufnahmen beurteilen, gehören neben seinem Hausneurologen, der bei allen Entscheidungen die letzte Instanz ist, auch ein Expertenteam der Firma mvb sowie drei unabhängige Neurologen von der Uni Köln.

Fotos: A. García

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Initiative Gesundheitswitrtschaft Rheinland-Pfalz Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. Berufsverband Deutscher Neurologen